 |
Die wichtigsten Daten der Kirche
Erbaut nach den Plänen von Reg.- Baumeister Dr. Ing. A. Schmidt aus Stuttgart im Basilika-Stil aus heimischem Muschelkalkstein (Renningen, Magstadt und Flacht).
Gesamtlänge 46 m
Breite Kirchenschiff 20 m
Höhe Kirchenschiff innen 13 m
Höhe bis Giebel Kirchenschiff 18 m
Turmhöhe 44 m
Zahl der Sitzplätze ca. 450
|
Das Sechs-Glocken-Geläut der Kirche
1. Glocke: Ton „H“, Gewicht 2860 kg, Ø 1,64 m
Inschrift: "Eccelsia -1961" - "Vater ich habe die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, ihnen gegeben, damit sie eins sind, wie auch wir eins sind."
2. Glocke: Ton „Dis“, Gewicht 1360 kg, Ø 1,30 m
Inschrift: "Christus - pastor bonus" - "Ich bin der gute Hirt und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich. Sie werden meine Stimme hören."
3. Glocke: Ton „Fis“, Gewicht 800 kg, Ø 1,09 m
Inschrift: (Bild) Maria unter dem Kreuz. - "Frau siehe da dein Sohn! Siehe da deine Mutter!"
4. Glocke: Ton „Gis“, Gewicht 560 kg, Ø 0,97 m
Inschrift: (Bild) Johannes der Täufer - "Ich bin die Stimme eines Rufers in der Wüste! Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe!"
5. Glocke: Ton „H“, Gewicht 325 kg, Ø 0,81 m
Inschrift: (Bild) Heilige Hedwig. - "Heilige Hedwig, führe uns von der Weltliebe zur Kreuzesliebe!"
6. Glocke: Ton „Cis“, Gewicht 230 kg, Ø 0,73 m
Inschrift: (Bild) Adolf Kolping. - "Vater Kolping: Eine Familie gründen heißt, ein Gotteshaus bauen." |
  |
Vorgeschichte der Pfarrei St. Johannes d.T. in Leonberg
Die Pfarrei im Mittelalter
1248 Gründung Leonbergs
1294 1. Pfarrer in Leonberg
Kirchenpatronat: Stift Sindelfingen
1411 Pfarrer und fünf bepfründete Kapläne
1477 Kirchenpatronat geht mit anderem Sindelfinger Besitz an Universität Tübingen über, Universität Tübingen sorgt mit Naturalien für Unterhalt des Pfarrers
Kloster von Leonberg
1350 Lagerbuch erwähnt "Zins aus der Augustiner Haus" (offenbar Besitz der Esslinger Augustiner)
bis
1428 Lagerbücher erwähnen Haus der Barfüßer
12.12.1467 Überführung von Franziskanern nach Leonberg durch Graf Eberhard
1535 sieben Klosterinsassen
1540 Äbtissin von Pfullingen mit 26 Schwestern nach Leonberg versetzt, blieb bis 1551
Reformation in Leonberg
bis
1534 Herzogtum Württemberg habsburgisch,
Mai 1534 Schlacht bei Lauffen,
Herzog Ulrich gewinnt Oberhand über Habsburger, anschließend Einführung der Reformation,
Ostern 1535 vorläufig letzte Messe in Leonberg und Umgebung gelesen
Oberamtsbeschreibung 1852 über Leonberg
"Was die Bevölkerungsverhältnisse betrifft, so zählte die Stadtgemeinde am 3. Dezember 1848 2445 Angehörige, und zwar 1196 männliche, 1249 weibliche. Im Jahr 1846 (3. Dez.) hatte sie deren 2379, und zwar 1160 männliche, 1219 weibliche, welche mit Ausnahme von 9 Katholiken und 1 von besonderem christlichem Bekenntniß sämmtlich der evangelisch-lutherischen Kirche angehören.."
Geschichte des Expositurvikariats
Expositur: abgegrenzter selbständiger Seelsorgebezirk einer Pfarrei; d.h. Leonberg war Teil der Pfarrei Weil der Stadt, diese wiederum gehörte zum Dekanat Neuhausen/Filder.
1. Betreuung durch Weil der Stadt
1893 Leonberger Katholiken ersuchen um Einrichtung eines Gottesdienstes, scheitert an zu geringer Zahl
1895 Einführung eines katholischen Religionsunterrichts, anfangs 14- tägig
Palmsonntag 1897 erste Messe in der Krone in Leonberg
1899 Erwerb des Bauplatzes beim Bahnhof
 |
1901 Einrichtung der Holzkirche (geweiht am 1. Adventssonntag),
Schutzpatron St. Johannes der Täufer,
etwa 120 Sitzplätze und 30 Stehplätze
bis 1928 vierzehntägiger Sonntagsgottesdienst, danach wöchentlich, Betreuung durch die Pfarrei Weil der Stadt,
1929 32,56 Ar großer Kirchbauplatz an der Hindenburgstraße gekauft bzw. durch Tausch mit der Stadt erworben,
1930 Stadtschultheißenamt Leonberg bittet Bischöfliches Ordinariat,
Vikar Dr. Hofmann aus Weil der Stadt zum Hilfslehrer für Latein an der Realschule Leonberg zu genehmigen, dadurch Schaffung einer Kirchenstelle in Leonberg möglich.
3.7.1930 Kirchenpflege Leonberg erwirbt Neubau an der Hindenburgstrasse (heute: Stohrerstraße),
Kaufpreis für Grundstück und Wohnhaus: 16000 Reichsmark,
Ausbau als Diasporapfarrhaus.
4.8.1930 Vikar Dr. Hofmann zieht als 1. katholischer Seelsorger ein (zugleich Lateinlehrer bis 1936
|
Dez. 1936 winzige Kirchenglocke durch Johannesglocke (95 kg) ergänzt, musste 1942 wieder abgeliefert werden.
1937 Kirchenstiftungsrat beschließt sofortigen Beginn eines Kirchenanbaus
1938 fertiggestellt und geweiht
zusätzlich je etwa 50 Sitz- und Stehplätze, durch Schiebetür abtrennbar.
2. Auf dem Weg zur Selbständigkeit
27.11.1941 Bischöfliches Ordinariat will Errichtung einer Stadtpfarrei Leonberg näher prüfen
5.12.1941 Generalvikar Dr. Kottmann, die Stadtpfarrer von Feuerbach, Zuffenhausen und der Expositurvikar aus Leonberg treffen sich im Europäischen Hof in Stuttgart,
Ziel: Festlegung der Grenzen einer künftigen Stadtpfarrei Leonberg
12.12.1941 Antrag des Expositurvikariats auf Errichtung der Stadtpfarrverweserei Leonberg, einschließlich Höfingen, Hirschlanden, Schöckingen, Hemmingen und Heimerdingen
16.12.1941 Bischöfliches Ordinariat stellt Zustimmung in Aussicht
20.2.1942 Antrag des Bischöflichen Ordinariats beim Kultusministerium in Stuttgart auf Errichtung einer Stadtpfarrei in Leonberg
28.2.1942 Kultusministerium stellt Entscheidung bis nach Kriegsende zurück
4./5.5.1942 Beschädigung der Kirche durch Flieger (Dächer, Wände, Fenster)
15.1.1943 Schwesternstation mit einer Caritasschwester im Pfarrhaus eingerichtet
Herbst 1945 Errichtung einer Baracke als Gemeindehaus und Kindergarten auf Kirchenbauplatz |
 |
3. Umfang des Expositurvikariates (Urkunde vom 23.9.1930)
Leonberg Leonberg-Eltingen Flacht
Friolzheim Gebersheim Mönsheim
Perouse Renningen Rutesheim
Warmbronn Wimsheim
Außerdem wurden betreut: Katholiken von Höfingen, Schillerhöhe, Ramtel, Gerlinger Bopser.
|
Straffiert: von der Pfarrei Leonberg aus betreute Gemeinden |
4. Expositurvikare
Dr. Ernst Hofmann 04.08.1930 - 18.07.1936
Heinrich Röhrle 19.07.1936 - 09.12.1939
Anton Kner 09.12.1939 - 04.05.1946
C H R O N I K
über den Neubau der Kirche zu Ehren des hl. Johannes des Täufers und unserer Lieben Frau zu L E O N B E R G .
Die nachfolgenden Seiten sind der CHRONIK der Gemeinde St. Johannes d. T.. Leonberg entnommen. Sie wurde von einem „Chronisten, der nicht genannt sein will“ begonnen und ist seither bis in unsere Gegenwart hinein fortgeschrieben worden.
Der „Original-Ton“ in der Chronik entspricht dem kirchlichen Selbstverständnis der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts.
Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Hl. Geistes
wurde das große Werk des Kirchenneubaus in Leonberg begonnen im
Jahr des Heils 1948.
In dem Augenblick, da diese Zeilen von einem, der alles mitlebte, geschrieben werden, ragen die Gerüststangen zum sommerlichen Himmel. Täglich surren die Motoren auf der Baustelle, täglich kommen und gehen die Lastwagen, Stein um Stein fügt sich auf den andern. Die Zukunft liegt im Dunkel. Niemand weiß, ob und wann das stolze Bauwerk vollendet wird. Die Baukasse ist leer. Am Himmel der Zukunft stehen düstere Wolken. Ängstliche Gemüter befürchten, dass das wunderbare Haus schon in wenigen Jahren durch eine Atombombe zertrümmert oder einmal irgendwelchen profanen oder gar schmutzigen Zwecken zugeführt wird.
Wir wissen nicht, wie einmal die Nachwelt über uns urteilen wird. Darum wird die Baugeschichte im Folgenden in ihren wesentlichen Zügen für die späteren Generationen festgehalten, um der Wahrheit, um der Gerechtigkeit willen und nicht zuletzt um diejenigen zu rechtfertigen, die die schwere Verantwortung für das große Vorhaben auf sich zu nehmen wagten.
Die Baugeschichte des neuen Gotteshauses reicht zurück bis in das Jahr 1901. Ein paar Dutzend beherzter Männer haben damals in der Nähe des Bahnhofs eine bescheidene Kapelle errichtet, die gerade für etwa 90 Menschen Sitzplatz bot. Es mögen damals etwa 50 - 80 Katholiken in Leonberg gewohnt haben. Das Kirchlein reichte aus. Zwar litten die Fachwerkwände mehr und mehr, aber das kümmerte die wenigen Besucher kaum. Man war geborgen und man hatte Platz.
- Die Zahl der Katholiken ist dann ständig angewachsen, sodass man bereits um das Jahr 1928 an eine neue und feste Kirche denken musste. Es ist dem Weitblick und der Tatkraft des damaligen Mitglieds des Kirchenstiftungsrats, Herrn KARL J Ä G G L E, zu verdanken, dass zwischen Leonberg und Eltingen, in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs, ein ausgezeichneter Bauplatz für die spätere Kirche erworben wurde. Der Name des damaligen Stadt-schultheißen Funk, mit dem der Kaufvertrag abgeschlossen wurde, ist den ältesten Leonberger Katholiken in lieber Erinnerung.
- Als die Gemeinde weiter wuchs, wurde im Jahre 1938 an die bestehende Notkirche ein Anbau errichtet, der durch eine Schiebetür vom Chor der Notkirche getrennt ist. Nun war wieder der dringenden Not abgeholfen, jedoch nur für einige Zeit.
- Im zweiten Weltkrieg (1939 bis 1945) wurde das kleine Kirchlein am Bahnhof wiederholt beschädigt, aber es blieb den dankbaren Besuchern wenigstens erhalten. Mit wie viel Recht konnte die Kirchengemeinde in Leonberg in den Jahren des Krieges singen:
„In wie viel Not hat nicht der gnädige Gott
über dir Flügel gebreitet...“
Eine völlig neue Wendung trat im Frühjahr des Jahres 1945 ein, mit der Austreibung von 12 Millionen Menschen aus dem Osten in das kleine, restliche Deutschland. An einem trüben, regnerischen Februartag, am Fest des hl. Blasius, rollte der erste, sogenannte Flüchtlingstransport im damaligen Lager Malmsheim ein. Er brachte eine traurige Last: 1.200 Menschen ohne Heimat, ohne Hab und Gut, aber mit blutenden Herzen. Diesem traurigen Transport folgten endlos viele. Die katholische Seelsorge im Kreis stand vor ungeheueren Aufgaben. Über Nacht war eine neue Situation geschaffen. Die Gemeinde, die noch vor ein paar Jahren 600 Seelen zählte, war um das zehnfache gewachsen. Über 6000 Gläubige zählte die neu errichtete Stadtpfarrgemeinde Leonberg mit ihren 16 Orten. Die Diaspora war zum Missionsland geworden. Nun galt es, zunächst nicht die Nerven zu verlieren und sich im Glauben zu stärken. Unbeschreibliche Not: keine Wohnung, keine Kleider, keine Schuhe, nichts oder kaum zu essen und anfangs kein Geld. Der Seelsorger musste sich in kurzer Zeit den neuen Verhältnissen anpassen und die meiste Zeit des Tages der Linderung der täglich und stündlich neu auftretenden Notfälle widmen. Die Flüchtlingsseelsorge musste aufgebaut werden. Kirchenraum wurde gesucht. In evangelischen Kirchen, Vereinshäusern, Wirtschaften, Rathäusern, Schulsälen wurde der hl. Opfer gefeiert. Die Kirche wurde in den Koffer gepackt: fliegende Seelsorge. Was die Generation der ersten Nachkriegsjahre geleistet hat, was sie gab und was sie opferte, weiß Gott allein. Viele haben in dieser Zeit den Glauben leider für immer verloren und manch einer griff in der Verzweiflung zum Strick. Viele aber haben in dieser Zeit als verlorene Söhne und Töchter heimgefunden zum Herzen der gemeinsamen Vaters, der schon lange auf sie wartete.
Mit einem Schlag war nun die Raumnot auch in Leonberg gewachsen. Sollten die Leute draußen stehen auf den Treppen oder sollen sie weiter um Luft ringen unter der warmen Holzdecke, wollten sie weiter, wie es manchmal der Fall war, sich hindurchkämpfen durch den schmalen Mittelgang, um zum Tisch des Herrn zu kommen, oder sollte man das kleine Kirchlein, dessen Nordseite immer schon so viel Sorge bereitete, endgültig zerfallen lassen? Wer noch Zweifel hatte, den haben die Weihnachtstage 1947 eines anderen belehrt. Es war beim Weihnachtsgottesdienst nicht mehr zum Ertragen. Wer nicht gewalttätig genug war, kam nicht mehr hinein in die Kirche. Von einer Andacht konnte keine Rede mehr sein. Aber wer wagte sich an das neue, seit 1930 geplante Vorhaben heran?
Der damalige Seelsorger, Stadtpfarrer K n e r dachte nicht daran, ein so kühnes Werk zu beginnen. Es ging ihm zunächst um den Aufbau und Ausbau der Seelsorge und um die Linderung der großen sozialen Not. Er hat aus diesen Erwägungen heraus darum auch – zum Teil schon während des Krieges und erst recht nach dem Krieg – zunächst eine Krankenschwesternstation errichtet und nach dem Zusammenbruch einen Kindergarten mit Kindertagheim, in dem die Kinder berufstätiger Mütter betreut werden sollten. Das Fest der Sieben Schmerzen Mariens, der 28. März 1947, brachte jedoch eine entscheidende Wendung. Ein bekannter Architekt, Regierungsbaumeister Dr. Ing. Alfred Schmitt, teilt dem Stadtpfarrer mit, dass eine große Anzahl ausgezeichneter Steine für eine etwaige neue Kirche gekauft werden könnte, falls rasch zugegriffen werden könnte. War das ein Wink von oben? Sollte nun doch begonnen werden? Stadtpfarrer Kner berief sofort den Kirchenstiftungsrat ein, der genau so wenig wie sein Vorsitzender eine Entscheidung wagte. Es wurde beschlossen, den Stadtpfarrer zum Bischof nach Rottenburg zu schicken, um die große Entscheidung in die Hände des Oberhirten zu legen. Bischof Johannes Baptista empfing Stadtpfarrer Kner sehr freundlich und hat das Anliegen in einer 1 ½ stündigen Audienz in Anwesenheit des Oberjustizrats durchgesprochen. Ergebnis: die Steine, um die ein allgemeines Wettrennen begann, sollten gekauft werden. Das Bischöfliche Ordinariat, das damals bei den Kollekten ungeheure Summen empfangen durfte, hat sich bereit erklärt, den Kaufpreis zu bezahlen. Noch dachte niemand im Ernst an die Ausführung des Bauvorhabens trotz des sichtlichen Winkes von oben. Am Tag nach der Rückkehr aus der Bischofsstadt führte ein seelsorgerlicher Gang den Stadtpfarrer zu einem bis dahin unbekannten Mann, der Treuhänder verschiedener Firmen war. Eine neue Fügung: Er stellte nicht weniger wie einen ganzen Waggon hochwertigen Zement in Aussicht. Nun waren Steine da und Zement. Auf die zweite sollte bald eine dritte Fügung kommen: gelegentlich einer Reise in der damaligen französischen Zone erfuhr Stadtpfarrer Kner beiläufig, dass die Kalkwerke Schwenk in Allmendingen und Ulm mit Genehmigung des Wirtschafts-ministeriums in Tübingen den hochwertigen Edelkalk auch in die amerikanische Zone liefern. Ein sofortiger Besuch in Ulm war ergebnislos. Tübingen sollte entscheiden. Die Aufnahme des Stadtpfarrers beim Ministerium war günstig. Die Franzosen sollten entscheiden. Und sie gaben – damals etwas Unerhörtes – beachtliche Mengen Zement und insgesamt 50 – 70 Tonnen Kalk. Diejenigen, die um die Einzelheiten wissen, konnten nichts anderes als staunen über die wunderbaren Wege Gottes, der zu Baustoffen verhilft in einer Zeit, da dies sonst niemand möglich war. Man bedenke: die kleinste Kleinigkeit war bewirtschaftet. Der Stadtpfarrer, der immer noch ein großer Zauderer war, glaubte allmählich auch, dass Gottes Wille hinter dem Werke steht. Die größtes Fügung und wohl der deutlichste Beweis dafür, dass Gott die Hand im Spiele hat, war die Besorgung des Bauholzes. Fast das gesamte Bauholz konnte noch vor der später zu erwähnenden Währungs-reform mit Reichsmark eingekauft werden, sofern es nicht von den einzelnen privaten Waldbesitzern der Kirche geschenkt wurde.
Die Enttäuschungen blieben nicht aus. Mit dem Frühjahr des Jahres 1948 beginnt jedoch ein wahrer Leidensweg, der aber nicht ohne Lichtblick ist. Es gab keine Arbeiter. Wer arbeiten wollte, stellte unerhörte Forderungen. Es gab keine Fahrzeuge (ein einziger Reifen kostete bis zu 6000,- Reichsmark; zum Vergleich: der Taglohn eines Hilfsarbeiters durchschnittlich 10,- Reichsmark) – keine Arbeitskleider, nichts zu essen. Für alles musste der priesterliche Bauherr sorgen, für Reifen, für Kleider, für das Essen. Letzteres wurde wiederholt in der Heimat des Stadtpfarrers für die wenigen Arbeiter zusammengebettelt und bei Nacht und Nebel auf Schleichwegen über die Zonengrenze gebracht. So wurde in der Zeit der härtesten Lebensmittelnot in der Waschküche des Pfarrhauses, die in eine Werkkantine umgewandelt wurde, für die Arbeiter gekocht. Plötzlich versagte der Steinbruchbesitzer Otto K. in Renningen. Die mühsam errungene Zusage wird plötzlich aus bis jetzt unverständlichen Gründen zurückgenommen. So blieb nichts anderes übrig, als in die benachbarten Steinbrüche nach Flacht, Magstadt und Malmsheim zu fahren, um dort die Steine für das Füllmauerwerk zu bekommen. Flacht und Malmsheim konnten nicht liefern, Magstadt liefert Steine, die jedoch von eigenen Arbeitern gebrochen werden müssen. Eine Stunde später sah man einen Geistlichen auf der Suche nach Arbeitern im protestantischen Magstadt. Ergebnislos. Schließlich fanden sich zwei Leonberger. Auch dieser Steinbruch kündigt. Wiederum vor dem Nichts! So ging es auf die Suche nach Backsteinen. Auch Backsteine gab es nur gegen Gestellung von Arbeitskräften. Nach vielem Zureden fanden sich zwei, die im Ziegelwerk Ditzingen die schwere Arbeit übernehmen wollten. Es ging einen Tag, dann waren wir um eine Hoffnung ärmer – weder Mauersteine, noch Backsteine – eine Situation zum Verzweifeln!
Gleichzeitig ging der Kampf um den Unternehmer und um die Bau-genehmigung. Die Firma Philipp Holzmann AG. war bereit, mit der ortsansässigen Firma Julius Mörk zusammenzuarbeiten, wenn die Bauherrschaft innerhalb von 2 – 3 Tagen, d.h. bis zu einem Montag früh 9:00 Uhr, 10 Arbeiter zur Verfügung stellen kann. Zehn Arbeiter auf die Beine zu bringen, war damals etwa genau so schwer, wie Tote zum Leben zu erwecken. Es blieb dem Seelsorger nichts anderes übrig, als an einem Sonntag morgen nach dem letzten Gottesdienst auf die Dörfer hinauszufahren und von Haus zu Haus zu gehen. Der Erfolg war niederschmetternd. Ein einziger sagte zu. Schließlich war die Weltfirma Holzmann AG dennoch zur Ausführung der Arbeiten bereit und versprach die Lieferung von Kies und Sand. So konnte seit Januar 1948 der Mutterboden abgehoben werden. Über die schmerzlichen Erfahrungen, die der damalige Stadtpfarrer mit dem damaligen evangelischen Dekan machen musste, anlässlich der Zusage des Herrn Julius Mörk, Mitglied des evangelischen Kirchengemeinderates, sei hier geschwiegen.
Die Bauplanung nahm geraume Zeit in Anspruch. Bauplaner Dr. Schmitt und Bauherrschaft, vertreten durch Stadtpfarrer Kner, waren sich lange Zeit nicht einig. Der letztere bestand darauf, in der Architektur nur kein Experiment! Er konnte sich auch nicht erwärmen für eine reine Imitation alter Baustile, etwa Neugotik oder Neuromanik. Nach langem Einfühlen in die Gegend, in das Stadtbild und in das Thema der neuen Kirche zu Ehren des hl. Johannes des Täufers und Unserer Lieben Frau, entschieden sich beide für die vorromanische, dreischiffige Basilika, die eine geschickte Verbindung mit moderner, ruhiger Art darstellen soll. Das neue Gotteshaus sollte zwar keine falsche Monumentalität vorspielen, aber es sollte als das himmlische Jerusalem auf dieser Erde vor den vielen hastigen Passanten den Eindruck des Ewigen und Feierlichen in der Kurzlebigkeit der Zeit erwecken. Aus diesem Grunde wurde auch auf die Ausgestaltung der Giebelseite (mit Portal, Vorhalle, Rosette, Evangelistensteinen) besonderer Wert gelegt. Da sich am Werktag nur wenige Beter einfinden, sollte der Raum unter der Empore zu einer Werktagskirche ausgestaltet werden, wobei dann das hl. Opfer am Altar der späteren Pieta-Kapelle gefeiert wird, und die Gläubigen nach Süden in Richtung Pieta-Kapelle schauen, was jetzt schon von vielen als eine sehr glückliche Lösung betrachtet wird.
Der C h o r : Der Chor war längere Zeit umstritten. Die stilreine Durchführung des ganzen Bauvorhabens verlangte einen rechteckigen Chor mit gerader Rückwand. Andere waren der Meinung, dass ein Vieleck den gesamten Kirchenraum besser abschließt. Das hätte aber dann zur Folge, dass an der Rückwand etwaige Gemälde bedeutend schwerer angebracht werden können. In dem Augenblick, da diese Zeilen geschrieben werden, ist die Entscheidung noch nicht endgültig getroffen. Es ist jedoch anzunehmen, dass auch der Chor kubisch gebaut wird. Auf jeden Fall sollte der Altarraum für den Besucher gleich im ersten Augenblick als das große Kraftfeld in Erscheinung treten und die Blicke aller Beter auf sich ziehen. Um jegliche Ablenkung zu vermeiden, sollten die Chorfenster auf der Süd- und Nordseite angebracht werden und nicht auf der Rückwand. Der Altarraum selbst sollte nicht als bühnenartiger Aufbau erscheinen wie in anderen modernen Kirchen. Die Messe ist ja nicht ein Schauspiel, bei dem die Gläubigen zusehen, sondern ein Opfer und Opfermahl. Nach langem Überlegen haben sich Architekt und Bauherr darauf geeinigt, dass vom Schiff bis zum Suppedanium nicht mehr wie 8 Stufen sein dürften. Um das Motiv der Ehrfurcht noch stärker zu betonen, sollen an beiden Chorwänden seitlich anbetende Cherubinen angebracht werden, sobald die finanzielle Lage dies gestattet.
Die K a n z e l sollte womöglich organisch mit der Kommunionbank verbunden werden.
Eine Ostung der Kirche war nicht möglich, da man sonst den Chor an die belebte und unruhige Hindenburgstrasse hätte setzen müssen. Um die Kirche als das himmlische Jerusalem womöglich in Licht zu tauchen, sollte das Morgenlicht durch die große Rosette in den Kirchenraum hereinfluten.
Über die Größe der Kirche bestanden lange Zeit große Zweifel. Bei Baubeginn zählte Leonberg an gewöhnlichen Sonntagen zwischen 700 und 800 Kirchenbesuchern, wobei die unmittelbar angrenzenden Orte (Renningen, Rutesheim und Höfingen) kaum eingerechnet sind. Ausgehend von der Tatsache, dass Leonberg als aufstrebende Industriestadt noch weitere Katholiken an sich zieht, entschloss sich Stadtpfarrer Kner zu 400 Sitzplätzen und setzte nach langen Kämpfen die Änderung des ersten Planes durch, der 500 Plätze vorsah. Der Seelsorger wollte unter allen Umständen vermieden wissen, dass die Kirche zu groß, d.h. nie voll wird.
Die B a u g e n e h m i g u n g ist ein Kapitel für sich. Das nach obigen Gesichtspunkten fertiggestellte Baugesuch lief die unteren und mittleren Instanzen verhältnismäßig sehr rasch durch und erreichte im Januar 1948 das Innenministerium, das die Ausnahmebestimmung aus der allgemeinen Bausperre verfügen sollte. Das Innenministerium (Baudirektor Schweizer) hat bereits Ende Januar die Ausnahme verfügt und somit den Bau gestattet. Das Bürgermeisteramt Leonberg sollte nun als örtliche Baupolizeibehörde die formelle Baugenehmigung für die Kirche erteilen. Wochen um Wochen vergingen. Der damalige stellvertretende Bürgermeister Schäfer (CDU = Christlich-Demokratische-Union) weigerte sich hartnäckig, die Baugenehmigung auszusprechen trotz der Freigabe seitens des Innenministeriums, ja er ließ sich sogar Herrn Jäggle gegenüber zu der Bemerkung hinreißen, dass sämtliche Baustoffe beschlagnahmt würden. Wiederum schien alles zu stocken. Unglücklicherweise kamen die Besprechungen des Gemeinderats in der örtlichen Presse mit der unmissverständlichen Absicht, die Bevölkerung gegen den Kirchenbau zu beeinflussen. Stadtpfarrer Kner hat daraufhin den Bürgermeister gebeten, selber vor dem Gemeinderat in einer öffentlichen Sitzung das Anliegen der Kirchengemeinde vertreten zu dürfen. Dieser Bitte wurde entsprochen. Am 18.02.1948 war die mit Spannung erwartete Gemeinderatssitzung. Bürgermeister Schäfer (CDU) meinte, „die Katholiken sollten ihre Bibel zu Hause lesen“. Wäre das Anliegen nicht zu ernst gewesen, so hätte man über die horrende Unwissenheit der Stadtväter lachen müssen. Die Ausführungen des Seelsorgers wurden dann ohne besondere Widerrede hingenommen und die Baugenehmigung nach den ausgezeichnete Ausführungen des damaligen Stadtbaumeisters Krämer über die baurechtliche Seite in Aussicht gestellt. Am Fest des heiligen Josef, dem 19. März 1948, wurde die Baugenehmigungsurkunde ausgehändigt.
Nun rollten fast Woche für Woche die Eisenbahnwagen mit Rheinkies aus Speyer an. Die Firma Philipp Holzmann AG. hat Wort gehalten. Die „Regina“, unser Schlepper, dampfte wochenlang rheinabwärts und neckaraufwärts bis Heilbronn, um die harten Kiesel zu bringen. Allmählich türmten sich Berge von Kies in der Hindenburgstrasse. Es war ein denkwürdiger Augenblick, als in der Osterwoche 1948 die Maschinen, vor allem die große Betonmischmaschine, die Hindenburgstrasse herabfuhren und aufgebaut wurden. Am Schutzfest des hl. Josef (27.04.1948) wurde der erste Wagen Beton in die inzwischen ausgehobenen Fundamente geworfen. Von jetzt ab surrten die Motoren wochen- ja monatelang.

D i e B e t t e l r e i s e n.
Bei Baubeginn hatte die Gemeinde etwa RM 30.000,-- zur Verfügung. Es war klar, dass dieser kleine Sparpfennig in kürzester Zeit aufgebraucht war. So blieb dem damaligen Seelsorger nichts anderes übrig, als um Hilfe zu rufen und Geld zu sammeln. Stadtpfarrer Kner konnte seit November 1947 folgende Orte der Reihe nach besuchen:
Frankenhofen, Altsteußlingen, Dächingen, Unterboihingen, Schwäbisch Gmünd (Münster), Mögglingen , Schwäbisch Gmünd (St. Franziskus), Mergentheim, Biberach/Riss, Geislingen/St., Neuhausen/F., Salach, Rottenburg (Dom), Waldstetten, Ravensburg (Liebfrauen), Ochsenhausen, Weingarten, Schussenried, Altheim b.Horb, Herlikofen, Hussenhofen,
Ehrenstein, Berkheim, Strassdorf, Sulgen (Schramberg), Wasseralfingen, Schwendi, Rottenburg-Ehingen (St. Moritz), Hohenstadt, Laupheim, Schönebürg b. Biberach, Ehingen/Don.
Die Opferfreudigkeit in diesen Gemeinden ist eines der schönsten Ruhmesblätter in der Geschichte unserer Diözese. Das Ergebnis ist folgendes:
vor der Währungsreform: RM
nach der Währungsreform: DM
Bis zum Tag der Währungsreform, dem 20.06.1948, waren in der Baukasse RM 205.286,61. Diese ungeheure Summe, die in monatelanger Arbeit mühsam zusammengebettelt wurde, wurde mit einem einzigen Federstrich nahezu ganz vernichtet.
Von der ganzen Summe blieben 6 % = DM 12.317,20.
Dieser winzige Betrag reichte kaum 3 Wochen. Die Währungsreform war für die Kirchengemeinde in der ganzen Baugeschichte vielleicht der schwerste Schlag. Wäre sie auch nur 2 – 3 Monate später gekommen, so hätten die Mauern bei mindestens 20 Arbeitskräften in kürzester Zeit hochgetrieben werden können. Aber Gott wollte es anders. Es war offenbar seine weise Absicht, dass das erstehende Gotteshaus buchstäblich Stein für Stein eropfert wird. Als das Geld zur Neige ging, rief Stadtpfarrer Kner das Bischöfliche Ordinariat um Hilfe an. Oberjustizrat Winker erklärte am Telefon: „ Das Finanzministerium von Süd-Württemberg erklärte uns auf unsere Anfrage wegen Kredit: „wir haben nicht einmal 10 Pfennig, um eine Briefmarke zu kaufen.“ – Mag diese Aussage auch übertrieben gewesen sein, so beleuchtet sie doch die verzweifelte Situation, in der sich die Kirchengemeinde befand. Prälat Sedlmeier gab am gleichen Tag, dem Feste Mariä Heimsuchung 1948, denselben Rat: sofort aufhören und die Wände isolieren, um sie nicht den Witterungseinflüssen auszusetzen. Der Befehl war eindeutig, jedoch kaum durchführbar. Sollte alle bisherige Mühe nun doch umsonst sein? Sollte auf unvorstellbar lange Zeit an dem schönen Platz eine Ruine bleiben? Oder soll die Fortsetzung der Bauarbeiten nicht dennoch gewagt werden? In einem grenzenlosen Vertrauen wendete sich die Kirchengemeinde in dieser Not an ihre oberste Bauherrin, die Rosenkranzkönigin und flehte von dieser Zeit ab im täglichen Rosenkranz um ihre Hilfe. Das Gebet wurde erhört. Ein befreundeter Fabrikant gab dem bedrängten Seelsorger ein Darlehen von 1.000,- DM. Ein zweiter Fabrikant schenkte denselben Betrag. Wenige Tage darauf spendete die benachbarte Fildergemeinde Neuhausen wiederum 1.000,- DM. So lief die Arbeit wenigstens einige Wochen weiter. Der Generalvikar der Diözese, Dr. Hagen, schrieb anfangs August eine Diözesankollekte für die bedrängten Kirchenbauten aus. Mit dieser Kollekte konnte wiederum einige Wochen weitergearbeitet werden. Doch nun war Schluss. Nach langen, schweren Überlegungen zwischen Unternehmer, Bauplaner, Bauleiter und Bauherr, wurde der schwerwiegende Entschluss gefasst, am Samstag, den 04.09.1948, die Bauarbeiten einzustellen. Der Entschluss wurde vorerst geheim gehalten, um die am Bau beschäftigten Arbeiter nicht früher als unbedingt nötig, der Sorge um einen neuen Arbeitsplatz auszuliefern. Kein Stern schien am Himmel zu leuchten. In all der Not präsentiert Lauster & Co. eine Rechnung, um die andere für Bearbeitung der in Reichsmark gekauften Rohblöcke. Die Verhandlungen zwischen Lauster und Brösamle einerseits, dem Bauleiter, Architekt Ludmann und Stadtpfarrer Kner andererseits, waren ohne Erfolg. Die Rechnungen kamen und sollten bezahlt werden. So kam der 04. September. Die Baustelle wurde aber nicht abgebrochen. Am folgenden Montag wurde weitergearbeitet und dieser kühne Entschluss am Morgen des 04. September, sollte für die spätere Geschichte von entscheidender Bedeutung sein. Die Arbeiten liefen weiter und auch das Geld kam stoßweise herein. Der Stadtpfarrer bekam immer wieder Gemeinden, die ihn mit seinen Sorgen aufnahmen, die Diözese half in bescheidenem Maße nach besten Kräften und so war es möglich, den Bau unter unsäglichen Schwierigkeiten und Opfern bis zum August 1949 durchzubringen.
 |
|
Die eingerüstete Kirche während der Bauarbeiten 1949/1950
Wer von Stuttgart aus durch das Strohgäu nach Pforzheim fährt, begegnet nicht einer einzigen katholischen Kirche. In diesem altwürttembergischen Stammland war bis Kriegsende höchstens jeder zwanzigste oder dreißigste Einwohner katholisch. Im Frühjahr 1946 hat sich die Situation völlig verändert. Die Zahl der Katholiken ist durch den Einstrom der Heimatvertriebenen, durch die Nähe Stuttgarts und Ansiedlung immer weiterer Industrie-Betriebe derart gewachsen, dass fast jede Gemeinde ihre zwei Gotteshäuser haben sollte. Die Einsichtigen waren sich dabei klar, dass die Beheimatung der aus aller Herren Länder zuströmenden Katholiken nicht allein von der religiösen Seite her erfolgen kann. Der Caritas-Verband errichtete seine Kreis-Caritas-Dienststelle, das Siedlungswerk der Diözese baute Wohnungen, in Leonberg allein bis jetzt 33, 12 weitere sollen folgen. Kindergärten und Kindertagheime wurden errichtet. Das größte Problem war jedoch die Schaffung eigener Gottesdiensträume. Vor den schwierigsten Aufgaben stand und steht wohl die Leonberger Stadtpfarrgemeinde, zu der die meisten Gemeinden des Kreises gehören. In den wenigen Jahren ihres Bestehens – die kanonische Gründung erfolgte erst 1946 – wurde die Stadtpfarrkirche und die Clemens-Maria-Hofbauer-Kirche in Weissach erbaut. Bauplätze wurden erworben in Hemmingen und Renningen. In Renningen mit seiner aufstrebenden Industrie soll in den nächsten Wochen der erste Spatenstich für die neue Bonifatius-Kirche getan werden. Der Weg bis zur Vollendung der vorgesehenen notwendigen Kirchen ist mühsam und weit, nicht bloß wegen der Beschaffung der immerhin beachtsamen Bausummen, auch nicht bloß wegen des weit verzweigten Pfarrsprengels, wodurch die Seelsorge erheblich erschwert wird. Eine der Hauptschwierigkeiten ist der Mangel an Priestern, was zu einer ständigen Überbelastung der wenigen Seelsorger führt.
Die Einstellung der Bauarbeiten von August 1949 bis September 1950, also volle 13 Monate lang, war eines der schmerzlichsten Opfer für die bauende Gemeinde. Rückwirkend ist uns das hämische Lachen der vielen an der Kirche täglich vorbeipendelnden Arbeiter noch sehr wohl in Erinnerung. Schadenfreude ist ja die aufrichtigste Freude. Die Kirche war ein gesuchter Radrennplatz für die benachbarten Jugendlichen. Es bedurfte starker Nerven, um die Kirche mit ihrem riesig gähnenden Loch ein volles Jahr auszuhalten. Von verschiedener Seite wurde der Vorschlag gemacht, am Beginn des Chores, wo heute die beiden Kommuniontische stehen, eine Wand hochzuziehen. Wir wären, wiederum rückblickend, von allen guten Geistern verlassen gewesen, wenn wir diesem Rat gefolgt hätten. Bischof Carl Joseph war erschüttert bei dem Anblick der halbvollendeten Kirche, als er auf der Rückkehr von der Bischofskonferenz zu Fulda in Leonberg Halt machte. Wenige Wochen später teilte Generalvikar Dr. Hagen mit, dass er den Bau des Chores ermöglichen wolle. Dr. Schmidt wollte unter allen Umständen innerhalb des Chores etwa 6 mächtige Strebepfeiler zur Sicherung der Choraußenwände bauen. Gott sei Dank ist es gelungen, diesen Plan zu verhindern und damit die ruhige Sichtfläche des jetzigen Chores zu retten. November 1950 wurde mit dem Bau des Chores begonnen.
Die wegen des Chores mit dem Architekten entstandenen Differenzen führten schließlich zum Verlust einer einheitlichen Bauleitung, was schmerzlich war, da nach der langen Arbeitspause auch der bisherige Bauleiter, Herr Erich Eiss, nicht mehr zur Verfügung stand. So war der Pfarrer in der wichtigsten Bauperiode allein mit der großen Aufgabe. Die Raumnot in der kleinen Kirche zwang jedoch zu einer raschen Vollendung und so wurde die Kirche am Johannestag, den 24.06.1951, durch Bischof Carl Joseph konsekriert. Am Abend vorher hat es geschienen, als wollte sich die Hölle noch einmal austoben. Es goss in Strömen, wetterte und stürmte wie kaum zuvor. Für den mehrmaligen Umgang des Bischofs mussten Bretter gelegt werden, um nicht auszurutschen. Wie viel hat am Weihetag noch gefehlt. Vom heutigen großen Plattenweg war nur die mittlere Schmalspur vorhanden, statt der jetzigen 3 Portale nur ein einziges, keine von den 6 Pendeltüren, keine Taufkapelle, ein notdürftiges Ewiges Licht, nur ein behelfsmäßiger Verputz in den Seitenschiffen, keine Leuchter – eine gute Seele schenkte 6 unmögliche Barockleuchter – keine Kanzel, statt dessen ein riesiges Monstrum aus Holz, die Orgel wurde ersetzt durch das Harmonium der alten Kirche. Links und rechts der beiden Kommuniontische war alles noch roh, keine Madonna, überall kahle und schlecht verputzte Innenwände. Aber die Freude am Weihetag war deswegen nicht kleiner. Gemeinde und Kirchenchor, der die unvergleichlich schöne Mozart-Messe meisterhaft vortrug, gaben ihr bestes. Wiederholt sprach der Bischof Kirchenchor und Dirigent seine volle Anerkennung aus. Wie herzlich war die Atmosphäre beim Mittagessen in der Bahnhofsgaststätte. Von 1951 – 1954 wurden die Schulden monatweise abgestottert und laufend an der Einrichtung weitergebaut. Der Bauschutt wurde entfernt, der Vorplatz bekam seine jetzige Gestalt, zum ersten Portal kamen 2 weitere hinzu, ebenso die 6 Pendeltüren. Im Oktober 1951 opfert die Gemeinde die jetzige Madonna (DM 1.000,-), an der alle mit großer Liebe hängen, links und rechts wurde verputzt, 1953 im Frühjahr kam die Kanzel. Jahrelang wurde um die Heizung gekämpft. Eine Niederdruckdampfheizung wäre auf DM 20.000,- gekommen. Abgesehen von der Unwirtschaftlichkeit hätte sich die Gemeinde diese Heizung niemals leisten können. Sie wurde ohne einen Pfennig Kirchensteuer und ohne einen Pfennig im Klingelbeutel eropfert. Im Herbst 1953 wurde mit der Ausmalung der Seitenschiffe durch den Bruder unseres Dirigenten, Siegfried Haas, begonnen. Mit Rücksicht auf die erhebliche Schuldenlast und den weiteren Ausbau der Pfarrkirche meldete der Stadtpfarrer seine Bedenken an, gab aber schließlich doch seine Zustimmung, nachdem das Bischöfliche Ordinariat den Kreuzweg nach Inhalt und Form genehmigt und der Kirchenchor sich vertraglich verpflichtet hatte, die gesamten Kosten zu tragen. Sie belaufen sich für den Kirchenchor auf rund DM 5.000,- Um dem Chor jedoch nichts Unmögliches zuzumuten, kam das Stadtpfarramt auf für den Verputz der beiden Seitenschiffe, für die beiden Fresken an den Schmalseiten, Erscheinung und Aufnahme Mariens in den Himmel, sowie für die Freske über dem Beichtstuhl, was zusammen rund DM 3.000,- , kostete. Es wäre mehr wie billig, den Kreuzweg nach einer flüchtigen Betrachtung mit ein paar billigen Worten als unmöglich abzutun. Es wird die Aufgabe eines jeden Seelsorgers bleiben, seine Gemeinde in seine Gedankenwelt hineinzuführen. Der Auftrag lautete indes nicht, etwa einen Kreuzweg zu malen, sondern sich die Grundgeheimnisse des Glaubens so weit als möglich darzustellen: Verkündigung, Epiphanie, Ablehnung und Bejahung Christi durch den Menschen von einst und heute, seine Leidenshingabe, Auferstehung als Frucht der Passion, endlich die Aufnahme Mariens in den Himmel als Teilnahme am Leben des Dreifaltigen Gottes. Ebenso wie die Heizung wurde auch die Anschaffung der jetzigen Orgel über ein Jahr erwogen. Für die Anschaffung kam weder Kirchensteuer noch der samstägliche Klingelbeutel in Frage. Die enorme Bausumme von rund DM 33.000,- musste also anderweitig beschafft werden. Bei Auftragserteilung am 25.06.1953 waren gegen DM 8.000,- vorhanden. Am 01.04.1954 waren DM 30.000,- bezahlt. Es wird das Geheimnis des Auftraggebers bleiben, wie diese beachtliche Summe zusammen gekommen ist. Es wurde mit Absicht eine mechanische Orgel gebaut, statt einer billigeren elektrischen. Die Gründe hierfür sind bekannt. Nach Fertigstellung kamen Fachleute von überall her, um das Werk zu bewundern. Ihre Güte ist in den angeforderten Gutachten anerkannter Fachleute bestätigt. Die Ewig-Licht-Lampe in ihrer jetzigen Gestalt wurde kurz nach Fertigstellung der Orgel angebracht.
Wohl eine der letzten Bauaufgaben in der Stadtpfarrkirche war das Herrichten des obersten Turmzimmers für die männliche Pfarrjugend. Dies hat sich als notwendig erwiesen, weil das Gemeindehaus, das zugleich Wohnung der Angestellten ist, am Sonntag-Nachmittag möglichst geschont werden sollte, und weil außerdem mit der Übergabe des jetzigen Pfarrhauses an die Kirchenpflege das Untergeschoss des Pfarrhauses (Marienheim) für die Jugendarbeit verloren geht.
Der Bischof bei der Altarweihe am 24.06.1951
Ansprache des Bischofs am Vorabend der Kirchweihe (23.06.1951)!
Im Namen des Vaters + und des Sohnes + und des Heiligen Geistes
Amen.
Lieber hochwürdiger Herr Stadtpfarrer! Hochwürdige Herren! Meine lieben Brüder und Schwestern in Christus in der Diaspora!
Ein ganz großer, glückhafter Tag steht Euch für morgen bevor, habt Ihr doch das Gotteshaus erbaut, dem morgen der Heilige Geist durch die Hand des Bischofs die Weihe spendet. Da kann ich es verstehen, meine Lieben, dass Freude Euer Herz erfüllt. Und Ihr habt dieser Freude Ausdruck gegeben schon am Eingang des Gotteshauses, als die Kleinen den Bischof mit den Blumen begrüßten und ihm so liebe Worte gesagt haben. In Eurem Namen haben sie das getan. Und als ich eingezogen bin in dieses Gotteshaus, da war es etwas ganz eigenartiges. Es war, wie wenn wir eigentlich einander gar nicht fremd gewesen wären, wie wenn wir einander schon kennen würden und kennen gelernt hätten in den Jahren und in den oft sorgenvollen Monaten, die zurückliegen. Und auch dieses Gotteshaus, es ist mir in den Grundlinien doch eigentlich nicht unbekannt. Darum hatte ich es verstanden, meine Lieben, und Euer Seelsorger hat es ja angedeutet, was es damals für eine große, tiefe Sorge gewesen sein mag, als es schien, als ob das Gotteshaus nicht weitergebaut werden könnte. Und damals, in jenen Wochen, da alle Arbeit ruhte, da bin ich einmal des Wegs gekommen. Und ganz unbekannt und ungekannt von allen bin ich hereingegangen, damals als keine Hand sich rühren konnte mehr, als die Mauern des Chores noch nicht aufgerichtet waren, damals, als der Wind den Regen durch die dunklen Fensterlücken peitschte. Und damals stand ich hier in diesem Raum. Und ich kann Euch nicht sagen, was für eine tiefe Traurigkeit mein Herz in jenem Augenblick erfüllt hat, wenn ich daran dachte, dass dieses Werk, das mit so viel Begeisterung und Hingabe und Treue begonnen worden war, nicht zu Ende geführt werden könnte. Aber damals wusste ich auch, als ich wegging, dass dieses Werk zu Ende geführt werden musste. Und die paar Kinderaugen, in die ich schauen konnte, waren mir Anruf dafür, dass wir alle zusammenhelfen mussten, damit der Tag kommen konnte, den wir heute miteinander an diesem Abend innerlich vorbereiten, der Tag der heiligen Kirchweihe.
Und so ist er nun gekommen und ich darf Euch morgen, liebe Christen, von Herzen Vergelt’ s Gott sagen dafür, dass Ihr so treu mit durch- und ausgehalten habt. Und ich darf Eurem Seelsorger von Herzen danken, nicht nur für die lieben, gütigen Worte, die aus einem so herzlichen Verhältnis zum Bischof kamen, die er in Eurem Namen zu mir gesprochen hat. Nein, ich darf ihm danken für alles, was er getan. Denn ich weiß, dass es in ganz besonderer Weise sein Verdienst ist, dass dieses Gotteshaus zu Ende geführt werden konnte. Denn wie hatte er gesorgt Tag für Tag und Nacht für Nacht. Wie ist er hinausgegangen in die Diözese, hat unsere katholischen Brüder und Schwestern da draußen in den Gemeinden aufgerufen zur tätigen Mithilfe. Und seinen Worten konnten sie ja nicht widerstehen. Es ist auch sein Herz heute zusammen mit Euch, meine lieben Brüder und Schwestern, von Freude erfüllt. Und ich kann es nachfühlen, dass diese Freude ganz tief und echt ist. So bin ich heute auch mit einer großen Freude mitten unter Euch getreten und ich weiß, dass die versammelte Gemeinde bei dieser Begegnung mit dem Bischof das Deo gratias ihres Seelsorgers übernimmt und es mit hinaustragen will in die vielen Orte und an all die vielen Filialen, die hierher in diese Gemeinde gehören Einheimische und Heimatvertriebene haben ja zusammengeholfen, ob sie nun Hand angelegt haben in der tätigen Arbeit oder ob sie ihre Scherflein beigesteuert haben und sie weiter beisteuern zu diesem Gotteshaus.
Begrüßungsansprache von Pfarrer Kner beim Mittagessen am 24.Juni 1951
Exzellenz - verehrte Gäste !
Es fällt einem ordentlich schwer, nach einem Morgen von so gewaltigem religiösem Erleben jetzt noch an der festlichen Tafel das richtige Wort zu finden. Ich habe mir überlegt, ob es auch angebracht ist, nach einem solchen Morgen sich zusammenzusetzen. Ich habe aber dann an das Fest-Evangelium von heute gedacht und an den kleinen und sicher sehr klugen Zachäus. Als bei dem der Meister einkehrte, da hat er sicher am Abend auch seine Freunde herbeigerufen und mit ihnen sich gefreut.
So darf der Bauherr heute auch wie so ein kleiner Zachäus, der auch überall herumgestiegen ist, Sie alle herzlich hier an dieser Festtafel begrüßen. Unser erster Gruß gilt Ihnen, Exzellenz. Es ist gestern Abend schon zum Ausdruck gekommen: Ohne die Hilfe der Diözese, wäre der kleine Zachäus von Leonberg schon längst erledigt gewesen. Und ich bin schon in Gedanken manchmal auf den Baum gestiegen und hab herumgeschaut, ob der Herr nicht kommt, der mich herunterholt und weiter hilft. Und der Herr hat geholfen, hat uns immer weiter geführt. Für alles nochmals, Exzellenz, herzinnigen Dank. Besonderen Dank aber für die Weihe am heutigen Morgen. Wir haben uns die Mühe genommen, sie eingehend vorzubereiten. Für die Pendler war sie tägliche Lektüre zwischen Leonberg und Stuttgart und umgekehrt. Ich danke für die Weihe, die so viel Kraft des Leibes und des Geistes erfordert hat. Danken darf ich für die herrlichen Worte von gestern Abend, die uns die Gestalt des Täufers in das Hier u. Heute so herrlich hineingestellt haben. Der Pfarrer wird bemüht sein, diese Gedanken weiterklingen zu lassen in den nächsten Monaten.
Danken darf ich dann all denen, die zum Gelingen des Gottesdienstes beigetragen haben, vor allem meinem indirekten Vorgänger, dem Erklärer der Weihehandlungen, dem ersten Seelsorger in Leonberg, Herrn Pfarrer Dr. Hofmann, vor allem auch dem Ministerium.
Eine liebe Pflicht ist es mir, besonders auch dem Chordirigenten und seinem meisterhaft geschulten Chor und seinem Orchester zu danken. Ich glaube, auch das war eine Verkündung ganz eigener Art. Ich darf Ihnen allen ganz herzlich für das, was Sie gearbeitet haben und in vielen Orchesterstunden erprobt haben, dass es uns nicht auf eine Weise, die die pfarrliche Kasse fast gar nicht belastet, uns so beschenkt haben, danken.
Und dann darf ich in unserer Mitte recht viele Bekannte und Freunde begrüßen. Herr Landrat Jetter hat sich entschuldigen lassen, ebenso Mr. Bartels.
Eine große Freude ist es uns, dass Sie verehrter Herr Bürgermeister, bei uns sind. Ein Stadtoberhaupt hat viele Sorgen und Termine, die nicht Halt machen am Sonntag 0 Uhr, sondern da fängt es erst an. Wir rechnen es uns zu unserer besonderen Freude an, dass das Stadtoberhaupt in unserer Mitte ist. Wie ich Ihnen ja schon sagte, gehören Stadt und Kirchengemeinde innig zusammen. Sie sind wie hohe Schultern, die einander brauchen. Und es ist wohl nicht zuviel gesagt, wenn ich meine, dass unsere christliche Kirche das Fundament legt, auf dem allein zuverlässige und aufrechte Männer der Wirtschafts-Organisationen, Technik und Wirtschaft aufbauen können. Wenn unsere Kirchen nicht mehr die Quellen und die Stätten der Kraft wären, jene Orte, an die wir uns zurückziehen können, dann hätte wohl jeder Stadtpfarrer und Bürgermeister größere und schwerere Sorgen.
Ansprache Sr. Exzellenz Bischof Dr. Carl Joseph Leiprecht am 24. Juni 1951
Es ist das Geschick des Bischofs , immer als letzter reden zu dürfen . Und doch ist es ihm jedes Mal ein besonderes Bedürfnis, nicht bloß im Gotteshaus, sondern auch außerhalb desselben zu denen sprechen zu können, die ihm mitgeholfen haben, dass das Werk entstehen konnte.
Und nun darf ich zuerst an das knüpfen, was Euer Stadtpfarrer erwähnt hat. Er ist vom Evangelium des heutigen Tages ausgegangen und hat vom kleinen Zachäus gesprochen, von dem Zachäus, der hinaufgestiegen ist auf die Bäume der Diözese und so manche Frucht heruntergeholt hat. Das war mir heute eine besondere Freude und auch gestern Abend schon, in die Gemeinde zu kommen und zu ihrem Herrn zu kommen und ihm sagen zu können, ich habe es wenigstens gedacht – “Zachäus, steige eilends herab, so wie der Herr, will ich auch heute in deinem Hause wohnen.“ Und ich darf euch sagen, meine Lieben, es ist mir diese Begegnung mit Eurem Stadtpfarrer eine persönliche große Freude geworden. Denn ihr habt nicht nur einen guten, sondern auch einen tüchtigen Stadtpfarrer (Beifall), Ihr habt aber nicht nur einen guten und tüchtigen, sondern auch einen gewandten Stadtpfarrer (Beifall). Nun muss ich aufhören mit diesen Dingen, sonst könnte er wieder mit dem Zachäus anfangen. Sie verstehen mich, wenn ich etwas humorvoll gesprochen habe, aber es soll auf diese Weise gesagt sein, dass der Bischof Ihnen, der ganzen Gemeinde und ihrem Stadtpfarrer von Herzen Dank sagen will.
Wenn heute so viel an Glückwünschen ausgesprochen worden ist, so will ich nicht der Letzte sein, der von Herzen persönlich diesen Glückwunsch ausspricht, aber nicht nur persönlich, sondern im Namen des ganzen Bischöflichen Ordinariats diese Glückwünsche Ihnen für den heutigen Johannes-Tag zum Ausdruck bringen. Euer Stadtpfarrer hat ja das Ordinariat schon ordentlich – ich will nicht sagen, was ich denke – erfreut. Und ich denke noch zurück an jene einstige persönliche Begegnung, als er sogar die Stadt Rottenburg auf seinen Streif- und Jagdzügen durch die Diözese gestreift hat, als er auf der Höhe der Domkanzel stand und auf eine meisterhafte Weise die Herzen der harten Rottenburger weich machte. Wie er nachher zu mir kam – ich war damals noch Referent für die Flüchtlinge, und als solcher bin ich viel durch die Diözese gekommen und habe sie kennen gelernt nach ihren dunklen und ihren hellen Seiten – da war sein Herz so voll von Sorge. Aber wie er es fertig gebracht hat, auch die Rottenburger warm zu machen, diese kalten Rottenburger. Aber Sie verstehen, ich möchte sagen, wenn sie lange brauchen, so können sie doch auch recht warm werden. Da hat er mir strahlend erzählt von seinen großen Plänen. Ich hab gedacht, oh, wie wird das Herz des Stadtpfarrers noch manche Sorgen tragen müssen. Und er hat es getragen. Ich habe es gestern Abend schon angedeutet, wie es manchmal schwer gewesen ist. Aber er hat es im Vertrauen auf den Herrgott getan und der Herrgott hat ihn nicht im Stiche gelassen. Das Deus Adjutor des Bischofs ist zu dem Deus Adjutor des Stadtpfarrers geworden.
Und ich darf Euch beglückwünschen und besonders dazu und dafür beglückwünschen, dass Ihr so zusammengewachsen seid. Ich habe es mir erzählen lassen, wie viel freiwillig gearbeitet worden ist am Kirchenbau. Und all das Mithelfen und mitgehen und mitfühlen und mitsorgen der ganzen Gemeinde hat auch die Sorgenlast des Stadtpfarrers leichter gemacht. So freue ich mich darüber, dass lebendige Gemeinde geworden ist um das steinerne Haus. Und ich habe nur den Wunsch, dass diese lebendige Gemeinde jetzt ganz in die Tiefe wächst und dass Ihr auch die großen Sorgen und Lasten, die euch noch aufgebürdet sind, miteinander im Vertrauen und Verstehen tragt
Denkschrift vom 18.11.1954 über vorhandene und noch beabsichtigte Bauvorhaben der Katholischen Kirchengemeinde Leonberg
Im Folgenden möchten wir der Stadtgemeinde eine kurze Übersicht über die vollendeten, im Bau befindlichen und für die nächsten rd. 10 Jahre beabsichtigten Bauvorhaben der Katholischen Kirchengemeinde vorlegen. Wir tun dies nicht bloß aus städtebaulichen Gründen, sondern vor allem auch, um etwaige Überschneidungen zwischen Stadtgemeinde und Kirchengemeinde zu vermeiden. Wir erlauben uns auch, die Baukosten, die bisherigen und die künftigen soweit möglich anzugeben. In dem einen oder anderen Punkte dürfte im gegebenen Augenblick eine Aussprache zwischen der Stadtverwaltung und dem Stadtpfarramt angezeigt sein. Eine weitschauende Planung kann beiderseits nur von Nutzen sein.
| I. |
1948 - 1951 |
Bau der Stadtpfarrkirche reine Baukosten (geprüft) |
DM 339.619,-- |
| |
1949 - 1950 |
Anbau einer Schwesternwohnung an die bestehende Notkirche |
DM 25.674,-- |
| |
1951 - 1954 |
Innenausbau der Stadtpfarrkirche einschl. Orgel für DM 33.000,- |
DM 61.749,-- |
| |
|
Der Vollständigkeit halber seien erwähnt:
Die Clemens-Maria-Hofbauerkirche in Weissach, für die die Kirchengemeinde Leonberg federführend ist |
DM 135.000,-- |
| |
|
Die Bonifatius-Kirche in Renningen |
DM 150.000,-- |
| |
|
|
DM 712.042,-- |
| II. |
|
Im Bau befindliche Vorhaben: |
|
| |
|
Anbau des Stadtpfarrhauses und der Sakristei an der bestehenden Stadtpfarrkirche an der Marienstrasse |
DM 85.000,-- |
| |
|
|
|
| III. |
|
Bauprogramm für die nächsten 10 Jahre: |
|
| |
|
Außer den Kirchen in Hemmingen und Rutesheim, die hier weniger interessieren dürften, Bau des Turmes der Stadtpfarrkirche, der sowohl städtebaulich als auch hinsichtlich der Proportionen des Kirchenschiffs baldmöglichst gebaut werden sollte, zum mutmaßlichen Preis von ca. |
DM 80.000,-- |
| |
|
Beschaffung von Glocken rd. |
DM 30.000,-- |
| |
|
Bau eines weiteren Gotteshauses am Gerlinger Weg, falls die vorgesehenen Siedlungsvorhaben auch tatsächlich durchgeführt werden rd. |
DM 150.000,-- |
| |
|
|
DM 460.000,-- |
Der vom Stadtpfarramt immer noch befürwortete Bau eines weiteren Wohnblocks des Siedlungswerks der Diözese Rottenburg ist hier nicht aufgeführt, da die Platzfrage noch nicht entschieden ist. Wir möchten die Stadtverwaltung höflich bitten, bei ihrer Planung sowohl am Gerlinger Weg als auch im Distelfeld mit dem Stadtpfarramt Fühlung zu nehmen, um in der Nähe unserer beiden großen Häuser ein drittes erstellen zu können.
Unterschrift Stpfr Kner

Der Bischof und Stadtpfarrer Kner beim Mittagessen 24.06.1951
Die Seelsorger in St. Johannes d.T., Leonberg
| Expositurvikare |
|
| Dr. Ernst Hofmann |
04.08.1930 – 18.07.1936 |
| Heinrich Röhrle |
19.07.1936 – 09.12.1939 |
| Anton Kner |
09.12.1939 – 04.05.1946 |
| Pfarrer |
|
| Anton Kner |
05.05.1946 – 12.01.1957 |
| Bruno Amann |
24.02.1957 – 06.07.1977 |
| Peter Aubele (Seelsorgestelle Ramtel) |
01.07.1973 – 31.12.1976 |
| Walter Stöffelmaier |
04.09.1977 - 23.06.1991 |
| Karl Kaufmann |
06.09.1992 - 04.02.2007 |
| P. Johannes Rathfelder (OSB) |
01.04.2007 - 15.11.2007 |
| Damian Bednarek |
01.12.2007 - |
| Michael Broch (Pastoraler Mitarbeiter und Hörfunkpfarrer) |
01.03.1998 – |
| Dr. Dietmar Rollny (Pastoraler Mitarbeiter und Krankenhauspfarrer) |
15.05.2003 – |
| Vikare |
|
| Max Hess |
15.05. 1949 – 01.11.1949 |
| Alfons Burger |
10.05.1950 – 30.11.1950 |
| Paul Waldherr |
02.12.1950 – 18.01.1952 |
| Wolfgang Figel |
01.09.1951 – 18.10.1953 |
| Adolf Pflaume |
24.10.1953 – 19.11.1953 |
| Bernhard Rieger |
20.11.1953 – 19.11.1953 |
| Otto Schneider |
27.09.1954 – 02.09.1956 |
| Alfred Vögele |
03.09.1956 – 18.05.1959 |
| Walter Stöffelmaier |
19.04.1959 – 25.05.1961 |
| Leo Mattes |
25.05.1961 – 27.06.1961 |
| Werner Schmid |
03.09.1962 – 08.06.1965 |
| Franz Brendle |
05.10.1965 – 29.09.1969 |
| Paul Magino |
16.07.1977 – 31.08.1980 |
| Wolfgang Kraus |
Sept. 1980 – 15.08.1982 |
| Hermann Strauß |
24.07.1982 – 02.09.1984 |
| Reinhold Hübschle |
25.07.1984 – 24.08.1986 |
| Anto Prgomet |
01.08.1986 – 12.08.1988 |
| Alfons Stetter |
13.08.1988 – 31.08.1990 |
| Hermann Friedl |
01.09.1990 – 15.08.1992 |
| Ansgar Leibrecht |
15.08.1992 – 14.08.1993 |
| Alexander Herrmann |
05.08.1993 – 06.09.1995 |
| Wolfgang Wachter |
07.09.1995 – 27.07.1997 |
| Alexander König |
11.09.1997 – 12.09.1999 |
| Robert Lukaschek |
04.09.1999 – 31.08.2001 |
| Thomas Hertlein |
01.09.2001 – 06.09.2003 |
| Oliver Dresen |
07.09.2003 – 10.09.2005 |
| Adrian Warzecha |
11.09.2005 – 31.07.2008 |
Diakone
|
|
| Horst Schubert |
21.05.1994 – 2008 |
| Dr. Werner Gatzweiler |
01.01.1995 – 2009 |
Neue kirchliche Berufe für “Laien“
Schon Jahrzehnte vor dem 2. Vatikanischen Konzil gab es Berufe für „Laien“ (= nicht dem Klerus, der Geistlichkeit, angehörende Personen) in der Kirche. Die „Seelsorgerhelferin“ und die „Katechetin“ erteilten Religionsunterricht, wirkten bei der Sakramentenvorbereitung mit und nahmen verschiedene Aufgaben in der Gemeindeseelsorge (Jugendarbeit) wahr. Bereits seit Errichtung der Pfarrei waren auch in St. Johannes d. T. Frauen als „Katechetinnen“ tätig.
Ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit der Namen seien genannt: (soweit bekannt die Zeit ihres katechetischen Wirkens in der Gemeinde)
| Katechetinnen |
|
| Maria Müller |
1946 – 1980 |
| Hildegard Brieter |
1955 – 1962 |
| Helga Neurohr |
1961 – 1963 |
| Jutta Meyer |
1963 – 1968 |
| Birgit Weiß |
1963 – 1968 |
| Ingeborg Weber |
1965 – 1971 |
| Sybille Knauß |
1969 – 1971 |
| Margareta Mayer |
1971 – 1974 |
| Marianne Herdtle |
1971 – 1987 |
| Ursula Götz |
1972 – 1991 |
| Gudrun Sproll |
1973 – 1997 |
| Gertrud Fischer |
1974 – 1975 |
| Christine Steiner |
1977 – 1982 |
| Eva-Maria Ungerer |
1977 – 1994 |
| Gisela Faulhaber |
1977 – 1987 |
| Gertrud Ettlinger |
1968 – 1978 und 1979 – 1983 |
| Ottilie Goor |
1975 – 2004 |
Weitere kirchliche Berufe
Vor über 20 Jahren kamen erstmals Männer und Frauen mit abgeschlossenem Theologischen Fachhochschul- bzw. Hochschulstudium als Gemeinde-assistentin bzw. Gemeindereferentin und Pastoralassistentin/Pastoralassistent bzw. Pastoralreferent/Pastoralreferentin in unsere Gemeinde.
(Assistent ist immer die Berufsbezeichnung während der Ausbildung).
Pastoralassistentinnen und Pastoralassistenten
| Guido Lorenz |
1980 – 1982 |
| Marie-Luise Hildebrand |
1982 – 1984 |
| Lothar Schubert |
1984 – 1987 |
| Patricia Hulin (geb.Wiech) |
1987 – 1990 |
| Markus Haas |
1990 – 1993 |
| Matthias Winstel |
1993 – 1996 |
Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten
| Richard Mayer |
1979 – 1981 |
| Richard Pahl |
1981 – 1989 und 1993 – |
| Guido Hirschbühl |
1984 – 1984 |
| Ingrid Orlowski |
1989 – 1989 |
| Albert Rau (Krankenhausseelsorger) |
1990 – 2002 |
| Beatrice Dörner |
1994 – |
| Matthias Winstel |
1996 – 1997 |
| Jürgen Oettel |
1999 – |
Gemeindeassistentinnen bzw. –referentinnen
| Dorothee Pasold (Geb. Raible) |
1983 – 1986 |
| Hildegard Schnetz-Frangen |
1986 – 1990 |
| Petra Mast (geb. Polonyi) |
1990 – 1993 |
| Marion Kramer |
1993 – 1997 |
| Barbara Müller |
1997 – |
Darüber hinaus lernten zahlreiche Männer und Frauen unsere Gemeinde in einem Praktikum kennen, das Wochen, Monate oder auch ein Jahr dauern konnte.
|